Erstes Stuttgarter Kfz-Pfandleihhaus 2018-10-23T16:12:24+00:00

„Erstes Stuttgarter Kfz-Pfandleihhaus”

Kabrio als Pfand bis die Kasse wieder stimmt

Der Artikel „Erstes Stuttgarter Kfz-Pfandleihhaus“ erschien 1995 in der Stuttgarter Zeitung, verfasst von Joannes Manger.

Das Auto, so sagt man, ist des Deutschen liebstes Kind, und wenn sich einer freiwillig und vorübergehend davon trennt, muss die Not schon groß sein. Seit zwei Monaten haben Autobesitzer, die vor lauter Geldsorgen nicht mehr ein noch aus wissen, eine neue Anlaufstelle: Das „Erste Stuttgarter Kfz-Pfandleihhaus“. Statt Schmuck oder Uhren werden dort Autos in Zahlung genommen.

Jochen Haugstetter, 32, und Thomas Stäbler, 34, die seit 1989 in Vaihingen mit hochwertigen Gebrauchtwagen handeln, kennen ihre Pappenheimer. Viele Autokäufer, so erzählen die beiden Unternehmensgründer, würden sich mit der Investition „übernehmen“. Und ehe sie den Wagen, möglicherweise weit unter Wert, auf dem freien Markt wieder verkaufen, gäben sie ihn lieber in Zahlung – bis die Kasse wieder stimmt.

„Die Pfandleiher stellen keine Fragen“

Das Kalkül scheint aufzugehen. Zehn Wagen haben Haugstetter und Stäbler schon beliehen, vom Ford Fiesta bis zum Mercedes Cabrio. Die Kundschaft, das zeigen die Automarken, kann man kaum über einen Kamm scheren. Ebenso unterschiedlich sind die Motive der Kreditnehmer. Der eine braucht dringend Geld, um die Kaution für die neue Wohnung zu bezahlen, dem anderen sitzt das Finanzamt im Nacken. Die Pfandleiher stellen keine Fragen: „Niemand braucht sein Leben vor uns auszubreiten“, sagt Thomas Stäbler.

Die Geschäftsbedingungen sind in der „Verordnung über den Geschäftsbetrieb der gewerblichen Pfandleiher“ festgeschrieben. Der Autobesitzer erhält ein Darlehen. Haugstetter und Stäbler gewähren 50 bis 60 prozent des tatsächlichen Fahrzeugwerts. Laut Verordnung wird darauf ein zins von einem Prozent im Monat berechnet. Hinzu kommt eine Unkostenpauschale, deren Höhe vom Fahrzeugwert abhängt. Außerdem werden sechs Mark „Standgeld“ am Tag fällig, einheitlich für jeden fahrzeugtyp, denn: „Ein Golf braucht genausoviel Platz wie ein Ferrrari“. Die beliehenen Autos stehen in einer angemieteten Halle – „verschlossen und versichert gegen alles, was passieren kann“. Der Fahrzeugpark hat einen Wert von rund 220 000 Mark. Autoschlüssel und Kfz-Brief hält der Pfandleiher ebenfalls in Verwahrung.

Presseartikel: Stuttgarter Kfz-Pfandleihhaus

Die Darlehensfrist läuft rund drei Monate. Nach deren Ablauf wird dem Kunden noch ein Monat Karenzzeit gewährt – dann muss er den Wagen gegen Zahlung der Pfandsumme plus angefallene Gebühren auslösen oder den Pfandkreditvertrag verlängern. Andernfalls wird der Wagen öffentlich versteigert. Doch so weit, glaubt Haugstetter, komme es wohl nicht: „Alle Kunden haben geschworen, dass sie den Wagen wieder abholen.“ Ein Indiz dafür: Von zehn Darlehensnehmern hat nur einer sein Auto abmelden lassen, um die Kosten für die Versicherung zu sparen. Kommt es doch zur Versteigerung, dann erhält der zahlungsunfähige Autobesitzer das, was vom Erlös übrig bleibt – abzüglich Pfandleih-Gebühren und der Kosten für die Versteigerung. Bleibt nichts übrig, hat der Kunde Pech gehabt. Wird nicht einmal der beliehene Fahrzeugwert erzielt, dann schaut das Pfandleihhaus in die Röhre.

„Warum geht der Kreditnehmer nicht zur Bank?“

Die Idee, Autos als Pfandeinsatz anzunehmen, ist nicht neu, aber auch noch nicht verbreitet. Gerade drei Kfz-Pfandleihhäuser – zumindest ordnungsgemäß angemeldete – soll es in Deutschland geben, das Stuttgarter eingeschlossen. Gängige Pfandleihen nehmen nur „bewegliche Dinge“ in Zahlung – keine Autos. Bei der städtischen Pfandleihanstalt in Stuttgart wird in 80 prozent aller Fälle Schmuck beliehen. Die Konditionen sind im Prinzip die gleichen wie im Kfz-Pfandleihhaus. Allerdings sind die ausgezahlen Kredite nicht so hoch. 500 Mark erhalten die Kreditnehmer im Schnitt. „Wir sind die Bank für den kleinen Mann“, sagt Reiner Niemann, Prokurist der städtischen Pfandleihe.

Warum geht der Kreditnehmer nicht zur Bank? Die Landesgirokasse zum Beispiel akzeptiert auch Fahrzeuge als Sicherheit für Sofortkredite bis zu 50 000 Mark, vorausgesetzt, die Autos sind vollkaskoversichert und nicht älter als drei Jahre. Was aber viele zu den Pfandhäusern treibt: „Wir verlangen keine Selbstauskunft und keinen Gehaltsnachweis“, sagt Niemann. Offenbar ein wichtiges Argument für die Kunden der Pfandhäuser: „Da geht man nur hin, wenn man sich nicht anders zu helfen weiß.“ Die Zahl der Hilflosen wird scheinbar immer größer. Die städtische Pfandleihanstalt hat jedes Jahr einen zuwachs von acht bis neun Prozent an Privatkunden – auch das eine Folge von Rezession und wachsender Arbeitslosigkeit im Raum Stuttgart.

 

Die Bild-Zeitung über Jochen Haugstetter

,, Immer mehr Stuttgarter trennen sich von ihren Fahrzeugen, wenn Sie knapp bei Kasse sind.“

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